Internationalität in den DAX30-Vorständen: Stagnation auf hohem Niveau

Published on August 14, 2018
Internationalität in den DAX30-Vorständen: Stagnation auf hohem Niveau Angela Ott Tue, 08/14/2018 - 02:38am

Der Ausländeranteil in den Boardrooms deutscher börsennotierter Unternehmen bleibt auch 2018 auf hohem Niveau: Knapp 31 Prozent der Vorstände haben einen ausländischen Pass. Während die Internationalität unter den Vorstandsvorsitzenden weiter abnimmt, liegt er unter den weiblichen Vorständen mit 44 Prozent deutlich über dem Durchschnitt.

Bonn – Der Ausländeranteil unter den DAX-Vorständen liegt 2018 zum zweiten Mal in Folge über der Grenze von 30 Prozent, kann sich aber im Vergleich zum Vorjahr nicht weiter verbessern: Zum Stichtag 1. Juli 2018 beträgt der Anteil im Schnitt 30,9 Prozent, das ist lediglich eine Kommastelle mehr im Vergleich zu 2017. Somit haben 60 der insgesamt 194 Manager in den DAX30-Vorstandsetagen einen ausländischen Pass. Das ergibt die aktuelle Studie* „Internationalität und Frauenanteil der DAX30-Vorstände 2018“ der globalen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners, die das Unternehmen seit 2005 alljährlich veröffentlicht.

„Die Stagnation auf dem Niveau von durchschnittlich rund 30 Prozent ist nicht überraschend“, kommentiert Studienautor Christoph Lesch, Senior Director bei Simon-Kucher & Partners. „Bereits seit 2010 sehen wir eine Stabilisierung auf diesem Niveau.“

Ausländeranteil auf Vorstandsebene der DAX30-Unternehmen

Abbildung 1: Ausländeranteil auf Vorstandsebene der DAX30-Unternehmen

Auffallend ist der Trend, dass sich die Internationalität auf den Chefposten der DAX30-Unternehmen in den vergangenen Jahren reduziert hat: Während 2012 zehn von insgesamt 32 Vorstandsvorständen (2012 gab es sowohl bei SAP als auch bei der Deutschen Bank eine Doppelspitze) einen ausländischen Pass hatten (entspricht 31 Prozent), waren es im Jahr 2018 nur noch fünf (knapp 17 Prozent): Adidas (Kaspar Rorsted, Däne), Fresenius Medical Care (Rice Powell, US-Amerikaner), Henkel (Hans van Bylen, Belgier), Linde (Aldo Belloni, Italiener) und SAP (Bill McDermott, US-Amerikaner).

19 verschiedene Nationalitäten in DAX30-Vorständen vertreten
2018 kommen die ausländischen Vorstände aus insgesamt 19 verschiedenen Ländern. „Dabei fällt auf, dass vermehrt Nationalitäten außerhalb von Europa und Nordamerika in die Führungsetagen der DAX30-Konzerne einziehen“, sagt Lesch.

Während früher ausländische Vorstände hauptsächlich aus Österreich, der Schweiz, Großbritannien oder den Vereinigten Staaten stammten, ist dieser Anteil heute deutlich gesunken. Zwar stellen amerikanische Manager mit 7,2 Prozent oder 14 Vorständen nach den deutschen Vorständen weiterhin die größte Gruppe. Der Anteil Österreicher und Schweizer jedoch ist von 5,3 Prozent in 2005 auf 3,6 Prozent in 2018 gesunken. Der Anteil Asiaten, Afrikaner, Südamerikaner und Australier hingegen beläuft sich 2018 auf 5,1 Prozent, 2005 lag er lediglich bei 2,2 Prozent. Besonders stark vertreten in den DAX30-Vorständen sind mittlerweile Indien mit vier Vorständen gefolgt von Südafrika (zwei Vorstände) und Australien, China, Kolumbien und Sri Lanka (jeweils ein Vorstand).

Nationalitäten auf Vorstandsebene der DAX30-Unternehmen

Abbildung 2: Nationalitäten auf Vorstandsebene der DAX30-Unternehmen

Allianz hat internationalsten Vorstand
Generell verteilen sich die ausländischen Manager 2018 auf weniger Unternehmen. Gegenüber dem Vorjahr ist die Anzahl der Unternehmen, deren Vorstände ausschließlich aus deutschen Managern bestehen, um zwei auf sieben angestiegen: Commerzbank, E.on, Infineon, Münchener Rück, RWE, Volkswagen und DAX-Neuling Covestro.

Bereits seit mehreren Jahren den höchsten Ausländeranteil im Vorstand weisen Fresenius Medical Care (83 Prozent), Fresenius AG (71 Prozent) und Adidas (67 Prozent) auf. Das Unternehmen mit dem mit Abstand internationalsten Vorstand ist jedoch die Allianz: Beim Anteil ausländischer Vorstände liegt sie mit 70 Prozent (2017: 44 Prozent) vor Adidas zwar nur auf Platz drei. Aber bei der absoluten Anzahl an Personen steht die Allianz mit sieben ausländischen von insgesamt zehn Managern deutlich vor allen anderen DAX30-Unternehmen. „Besonders bemerkenswert dabei ist, dass die sieben ausländischen Vorstände aus fünf verschiedenen Ländern stammen“, hebt Studienautor Lesch hervor. „Neben drei Deutschen sitzen bei der Allianz zwei Österreicher, zwei Italiener, ein Spanier, ein Südafrikaner sowie ein Sri Lanker im Vorstand.“ Bei der Fresenius AG haben von sieben Managern insgesamt fünf einen ausländischen Pass.

Die breite Spreizung des Ausländeranteils im DAX ist auch ein Indiz dafür, dass die Stagnation der vergangenen Jahre durchaus überwunden werden kann. „Dass der durchschnittliche Wert von 30 Prozent kein Naturgesetz ist, zeigt die Tatsache, dass zehn der 30 DAX-Unternehmen einen Ausländeranteil zwischen 40 und 83 Prozent aufweisen“, so Lesch.

Ausländische Vorstände in den DAX30-Unternehmen

Abbildung 3: Ausländische Vorstände in den DAX30-Unternehmen

Frauenanteil stabil, aber mehr Unternehmen mit Frauen im Vorstand
Unter den 194 Managern in den DAX30-Vorständen finden sich aktuell 25 Frauen (12,9 Prozent). 2018 verteilen sie sich auf 21 DAX-Unternehmen, 2017 waren es nur 20. An der Spitze mit je zwei weiblichen Vorständen stehen die Allianz, Daimler, SAP und Siemens. Prozentual liegen hier Daimler und Siemens mit je 25 Prozent Frauenanteil vorn. Lesch: „Das zeigt allerdings auch, dass die Vorstände von neun DAX-Unternehmen weiterhin reine Männer-Riegen sind.“

Es scheint für die DAX-Unternehmen weiterhin schwierig zu sein, qualifizierte weibliche Kandidaten in Deutschland zu finden. Ein Indikator hierfür ist der Ausländeranteil innerhalb der Gruppe der weiblichen Vorstände, der mit 44 Prozent deutlich über dem allgemeinen Durchschnitt liegt. „Wenn sich in Deutschland keine geeigneten Kandidatinnen finden, dann bietet der ausländische Markt hier scheinbar ein weitaus größeres Ressourcenpotenzial“, stellt Lesch fest. Dies liege nicht an der mangelnden Qualifikation deutscher Kandidatinnen, sondern schlichtweg an der geringen Anzahl. „Im Vergleich zu Deutschland werden die Karrierewege von Frauen im Ausland, zum Beispiel in Frankreich oder Schweden, schon länger gezielt gefördert, sowohl von den Unternehmen als auch vom Staat.“

Frauenanteil auf Vorstandsebene der DAX30-Unternehmen

Abbildung 4: Frauenanteil auf Vorstandsebene der DAX30-Unternehmen


Über die Studie:
*Die Studie „Internationalität und Frauenanteil der DAX30-Vorstände“ wird seit 2005 jährlich von Simon-Kucher & Partners erhoben. Hierbei wird die Anzahl der ausländischen Vorstandsmitglieder sowie von Frauen in den DAX30-Unternehmen zu einem Stichtag (01.07.) ermittelt.

Simon-Kucher & Partners, Strategy & Marketing Consultants:
Die Beratungsarbeit von Simon-Kucher & Partners ist ganz auf TopLine Power® ausgerichtet. Laut mehrerer Studien unter deutschen Top-Managern (manager magazin, Wirtschaftswoche, brand eins) ist Simon-Kucher bester Marketing- und Vertriebsberater und führend im Bereich Pricing und Wertsteigerung. Die Unternehmensberatung ist mit über 1.100 Mitarbeitern in 37 Büros weltweit vertreten.