So viele ausländische DAX30-Vorstände wie nie zuvor

Published on July 9, 2019
So viele ausländische DAX30-Vorstände wie nie zuvor Jana Mon, 07/08/2019 - 11:47pm

Im Jahr 2019 hat der Ausländeranteil in den Vorstandsetagen der größten deutschen börsennotierten Unternehmen ein Allzeithoch erreicht: Über 35 Prozent der Vorstände haben einen ausländischen Pass. Auf Ebene der Vorstandsvorsitzenden liegt der Anteil deutlich darunter. Auch der Frauenanteil steigt auf einen Höchststand, einen weiblichen DAX30-CEO gibt es trotzdem weiterhin nicht.

Bonn, 04. Juli 2019 – Der Anteil ausländischer Vorstandsmitglieder in DAX30-Unternehmen ist 2019 gegenüber dem Vorjahr um mehr als vier Prozentpunkte auf einen neuen Bestwert geklettert: Zum Stichtag 1. Juli 2019 waren 35,4 Prozent der Vorstandsposten von Managern mit ausländischem Pass besetzt. Damit liegt der Ausländeranteil unter den DAX-Vorständen so hoch wie noch nie in der mehr als 30-jährigen Geschichte des Deutschen Aktienindex und deutlich über dem letztjährigen Wert von 30,9 Prozent. Es ist zudem bereits das dritte Mal in Folge, dass der Anteil ausländischer DAX30-Vorstände über der Grenze von 30 Prozent liegt. Insgesamt haben 70 der insgesamt 198 Manager in den DAX30-Vorstandsetagen einen ausländischen Pass. Das ergibt die aktuelle Studie* „Internationalität und Frauenanteil der DAX30-Vorstände 2019“ der globalen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners, die das Unternehmen seit 2005 alljährlich veröffentlicht.

„Der erneute Anstieg auf den Rekordwert von über 35 Prozent bestätigt den langjährigen Trend“, kommentiert Studienautor Christoph Lesch, Senior Director bei Simon-Kucher & Partners.                                                                                  

Abbildung 1: Ausländeranteil auf Vorstandsebene der DAX30-Unternehmen

Während es auf Ebene des Gesamtvorstands einen neuen Bestwert zu verzeichnen gibt, hinkt die Internationalität auf den Chefposten der DAX30-Unternehmen weiterhin hinterher. Zwar besitzen 2019 sieben (23,3 Prozent) statt wie im Vorjahr nur fünf (16,7 Prozent) Vorstandsvorsitzende einen ausländischen Pass. Der Rekordwert aus 2012 mit zehn von insgesamt 32 Vorstandsvorsitzenden (2012 gab es sowohl bei SAP als auch bei der Deutschen Bank eine Doppelspitze; entspricht 31 Prozent) wurde jedoch noch nicht wieder erreicht. Die Vorsitzenden mit ausländischem Pass sind 2019 Kaspar Rorsted (Däne, Adidas), Rice Powell (US-Amerikaner, Fresenius Medical Care), Hans van Bylen (Belgier, Henkel), Bill McDermott (US-Amerikaner, SAP) sowie neu dazugekommen Ola Källenius (Schwede, Daimler) und Markus Braun (Österreicher vom DAX30-Aufsteiger Wirecard) sowie Steve Angel (US-Amerikaner, Linde; ersetzt den Italiener Aldo Belloni).

70 Ausländer aus 22 verschiedenen Nationalitäten in Vorständen vertreten

2019 haben die 70 ausländischen DAX30-Vorstände insgesamt 22 verschiedene Nationalitäten. Das sind drei mehr als im Vorjahr. Weiterhin stellen Amerikaner mit 16 Vorständen (8,1 Prozent; zwei Vorstände mehr als 2018) die größte Gruppe. Knapp auf Platz zwei geschoben hat sich in diesem Jahr Österreich: Acht Manager stammen 2019 aus der Alpenrepublik (4,0 Prozent); im letzten Jahr waren es noch fünf. Dieser Anstieg erklärt sich jedoch vollständig über einen Sondereffekt, erläutert Studienautor Lesch: „Im vierköpfigen Vorstand des DAX30-Aufsteigers Wirecard sitzen drei Österreicher, der Vorstand der in den MDAX abgestiegenen Commerzbank hingegen bestand komplett aus Deutschen.“

Auch Manager mit Nationalitäten außerhalb Europas und der USA besetzen vermehrt Posten in den DAX30-Vorstandsebenen. Asiaten, Afrikaner, Südamerikaner und Australier stellen 12 Vorstände im Jahr 2019 (6,1 Prozent): Vier Vorstände stammen aus Indien, je zwei aus Australien und Südafrika und je ein Vorstand aus Brasilien, China, Sri Lanka und Venezuela.

Abbildung 2: Nationalitäten auf Vorstandsebene der DAX30-Unternehmen

Neun Unternehmen mit mindestens 50 Prozent ausländischen Vorständen

Die Anzahl der DAX30-Konzerne, deren Boardrooms mindestens zur Hälfte mit Ausländern besetzt sind, ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Nach nur vier Unternehmen in 2018 verzeichnen jetzt neun Konzerne einen Ausländeranteil von 50 Prozent und mehr (Adidas, Allianz, Beiersdorf, Fresenius AG, Fresenius Medical Care, Henkel, Heidelberg Cement, Linde und Wirecard). Ausschließlich von deutschen Vorständen geführt werden hingegen nur noch fünf DAX-Konzerne (Continental, Covestro, E.on, Infineon und RWE).

Außerordentlich hohe Ausländeranteile im Vorstand weisen bereits seit vielen Jahren Fresenius Medical Care (86 Prozent) und Adidas (67 Prozent) auf. Neu hinzugekommen in die Spitzengruppe ist Wirecard mit 75 Prozent, jedoch durchweg aus Österreichern bestehend. Zudem ist Linde nun ebenfalls in der Topgruppe vertreten. Durch die Fusion mit Praxair besteht der Vorstand der im DAX30 vertretenen Linde plc nun zu 71 Prozent aus Ausländern. Das Unternehmen mit dem mit Abstand internationalsten Vorstand ist jedoch – wie schon im Vorjahr – die Allianz: Zwar liegt sie beim Anteil ausländischer Vorstände mit 70 Prozent nur auf Platz vier. Betrachtet man allerdings die absolute Anzahl an Personen im Boardroom, so steht die Allianz mit sieben ausländischen von insgesamt zehn Managern deutlich vor allen anderen DAX30-Unternehmen. „Wie schon im letzten Jahr, stammen die sieben ausländischen Vorstände der Allianz aus insgesamt fünf verschiedenen Ländern. Das ist schon bemerkenswert“, hebt Studienautor Lesch hervor. „Neben drei Deutschen sitzen bei der Allianz zwei Österreicher, zwei Italiener, ein Spanier, eine Südafrikanerin sowie ein Sri Lanker im Vorstand.“ Bei Fresenius Medical Care haben von sieben Managern insgesamt fünf einen ausländischen Pass.

Für die kommenden Jahre prognostiziert Lesch einen weiteren Anstieg des Anteils von Vorständen mit ausländischem Pass: „Einen Anteil von 40 Prozent werden wir vermutlich noch nicht so schnell erreichen, aber ein weiterer langsamer Anstieg ist sehr wahrscheinlich.“ Dass der Anteil wieder unter die 30 Prozentmarke fällt, erwartet Lesch jedoch nicht: „Es kann kurzzeitig einen kleinen Rückgang geben. Aber der Trend geht klar nach oben.“

Abbildung 3: Ausländische Vorstände in den DAX30-Unternehmen

So viele Frauen in Vorständen wie nie zuvor – aber nicht im Chefsessel

Mit 28 Frauen sitzen aktuell so viele Frauen in den Chefetagen von DAX30-Unternehmen, wie noch nie zuvor – ihr Anteil beträgt 14,1 Prozent. Im Vergleich: Bis 2009 befand sich nur eine einzige Frau unter den damals 186 Vorständen im DAX30. Heute befinden sich in 23 der DAX30-Unternehmen weibliche Vorstände. Führend beim Frauenanteil mit je zwei Vorständinnen sind Allianz, Daimler, Deutsche Telekom, SAP und Siemens.

Interessant ist auch ein Blick auf die Kombination aus Nationalität und Geschlecht. Über die Hälfte (53,6 Prozent) der Frauen sind Ausländer. Für Lesch ist dieser hohe Wert kein Zufall, da der politische und gesellschaftliche Druck in Richtung eines höheren Frauenanteils zunehme: „Daher ist es nur logisch, dass die Unternehmen verstärkt auch im Ausland nach geeigneten Managerinnen suchen.“ Eine systematische Nachwuchsförderung von Frauen gibt es in den meisten deutschen Unternehmen erst seit zehn Jahren. „Es dauert mindestens 20 Jahre bis das auch am obersten Ende der Karriereleiter volle Wirkung entfaltet“, so Lesch. Einen Frauenanteil von 25 bis 30 Prozent sieht er daher erst für das Jahr 2030 als realistisch an.

Frauenanteil von 25 bis 30 Prozent sieht er daher erst für das Jahr 2030 als realistisch an.

Abbildung 4: Frauenanteil auf Vorstandsebene der DAX30-Unternehmen

Über die Studie:

*Die StudieInternationalität und Frauenanteil der DAX30-Vorständewird seit 2005 jährlich von Simon-Kucher & Partners erhoben. Hierbei wird die Anzahl der ausländischen Vorstandsmitglieder sowie von Frauen in den DAX30-Unternehmen zu einem Stichtag (01.07.) ermittelt.

Simon-Kucher & Partners, Strategy & Marketing Consultants: Die Beratungsarbeit von Simon-Kucher & Partners ist ganz auf TopLine Power® ausgerichtet. Laut mehrerer Studien unter deutschen Top-Managern (manager magazin, Wirtschaftswoche, brand eins) ist Simon-Kucher bester Marketing- und Vertriebsberater und führend im Bereich Pricing und Wertsteigerung. Die Unternehmensberatung ist mit rund 1.300 Mitarbeitern in 38 Büros weltweit vertreten